Projektbeschreibung

Hintergrund und Motivation von AlarmRedux

Wesentliches Merkmal der Intensivpflege ist die Überwachung von Patienten, deren Zustand eine engmaschige Kontrolle lebenswichtiger Körperfunktionen erfordert. Mit der zunehmenden Entwicklung der Biosensorik und damit verbundener Überwachungsmöglichkeiten steigt die Häufigkeit akustischer und optischer Alarme auf der Intensivstation. Da jeder Alarm durch eine kritische Situation oder ein technisches Problem ausgelöst sein kann, muss er von einer Intensivpflegekraft oder einem Arzt/einer Ärztin bewertet und quittiert werden. Die Lärm- belastung und häufige Unterbrechungen des Arbeitsprozesses stellen eine zu großen Teilen vermeidbare Mehrbelastung dar und führen zu erheblichem kognitivem Stress, sowie mittelfristig zu einer für die Patienten gefährlichen Desensibilisierung professionell Pflegender für Alarme („Alarm fatigue“). Dies kann zum Ignorieren von Alarmen oder patientengefährdenden Einstel- lungen an den Überwachungsmonitoren führen. Die Konsequenz dieser Effekte sind regelmäßig Behandlungsfehler mit potentiellen Patientenschäden. Jede kritische Situation und vor allem jeder Patientenschaden führt zudem zu einer erheblichen psychischen Belastung des Personals und häufig zu einem Ausscheiden von betroffenen Ärzten und Pflegekräften aus dem Beruf.

 

Ziele von AlarmRedux

Das Projekt zielt auf die Entwicklung methodischer und technischer Konzepte, um die Arbeits- wie auch die kognitive Belastung klinischen Pflegepersonals durch Alarme messbar und nachhaltig zu verringern. Es wird erwartet, dass damit auch die bekannten Folgen dieser Belastung (Stress, Irritation, Ermüdung, Arbeitsunzufriedenheit etc.) reduziert werden können. Darüber hinaus ist durch die Verringerung von Desensibilisierungseffekten, häufiger Unterbrechungen pflegerischer Tätigkeiten und die Reduktion des Geräuschpegels von einer Verbesserung von Patientensicherheit und Patientenerfahrung auszugehen.

 

Lösungsansätze

Als wesentlich für die Verbesserung der Arbeitsbedingungen in intensivmedizinischen und vergleichbaren Versorgungskontexten müssen Maßnahmen angesehen werden, die helfen, die Alarmlast und insbesondere die Zahl irrelevanter Alarme zu reduzieren. Bislang fehlen aber innovative methodische und technische Ansätze, welche unter Beachtung des gesamten soziotechnischen Kontexts „Patientenüberwachung“ reproduzierbare und nachhaltige Ergeb- nisse im Hinblick auf Alarmreduktion erzielen und deren Auswirkungen auf Arbeitssicherheit und zufriedenheit bewerten. Darüber hinaus sind selbstverständlich innovative Verfahren zu betrachten, mit deren Hilfe die Alarmnotifikation zielgerichtet und sicher an die jeweiligen Pflegenden erfolgen kann, und welche gleichzeitig die kognitive Belastung durch akustische Alarmierung verringern helfen. Das Vorhaben wird nach den Prinzipien des Human-Centered Design Prozesses (ISO 9241-210) entwickelt. Sowohl die Endanwender, also Pflegekräfte auf den Intensivstationen, als auch etwa Ärzte und Medizintechnik werden in den beteiligten Kliniken von Anfang an in die verschiedenen Entwicklungsphasen in das Projekt eingebunden. In iterativen Zyklen werden gemeinsam neue innovative Funktionsmuster und Demonstratoren entwickelt und geprüft. Ethische, rechtliche und gesellschaftlich relevante Fragestellungen werden berücksichtigt. Darüber hinaus gilt es ein komplexes regulatorisches Rahmenwerk zu beachten (Medizinproduktegesetz, EU-Medizinprodukteverordnung, FDA-Vorgaben).

Für die messbare und nachhaltige Reduktion der Alarmlast sollen folgende Innovationen im Projektverlauf entwickelt werden:

  • Methodische Ansätze zur sicheren, datengetriebenen Reduktion vermeidbarer Alarme
  • Entscheidungsunterstützung bei der Auswahl von Strategien zur Alarmreduktion
  • Innovative Ansätze zur sicheren Distribution und Signalisierung von Alarmen
  • Entwicklung praktikabler Metriken und entsprechender Verfahren zur Messung der Belastung pflegerischen Personals durch Alarme
  • Entwicklung von Qualitätsmetriken zur Bestimmung der Güte eines Alarmsystems
  • Entwicklung eines Alarm Datawarehouse zur Akquisition und Analyse

 

Partner